Europäisches Braunkehlchen Symposium am 28. und 29. Mai 2015

 

 

 

 

 

 Helmbrechts - Die Zukunft der vom Aussterben bedrohten Braunkehlchen hat im Mittelpunkt eines zweitägigen Symposiums in Helmbrechts gestanden. Zum Thema nahmen renommierte Ornithologen aus 18 europäischen Ländern Stellung. In mehreren, von anwesenden Dolmetschern übersetzten, Referaten wiesen die Experten auf die teilweise besorgniserregende Bestandsentwicklung wie auch auf Möglichkeiten zum Schutz und der Förderung der Wiesenbrüter hin. Nun gilt es, die Erkenntnisse der Konferenz in die Praxis umzusetzen. Deshalb hat sich auch nach dem Treffen ein Arbeitskreis gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten.

 

Ehrengäste des europäischen Konvents signalisierten den Vogelschützern Unterstützung durch Politik und Behörden. So sagte Petra Platzgummer-Martin, Vizepräsidentin der oberfränkischen Regierung, finanzielle Förderung zu, um die Vielfalt der Natur und der Vogelwelt zu erhalten. Der drastische Verlust des artenreichen Grünlands spiegele sich zwangsläufig beim Rückgang der Vogelarten wider, stellte sie fest.

 

 

Jürgen Feulner
Jürgen Feulner

Landrat Dr. Oliver Bär zeigte sich in seinem Grußwort begeistert über das aktive Engagement der Naturfreunde. "Der Vogelschutz rückt immer mehr in den Vordergrund. Sie haben Bewusstsein für den Schutz und Erhalt einer intakten Natur geschaffen. Darauf können Sie stolz sein. Nun gilt es, eine konkrete Zielvorgabe und ein Schutzprogramm zu entwickeln, um gemeinsam etwas zu bewegen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Ziel erreichen", sagte der Landrat.

 

Von einem großen Tag für Helmbrechts sprach Bürgermeister Stefan Pöhlmann, der sich über die Anwesenheit anerkannter Fachleute freute, auch wenn der Anlass nicht unbedingt Grund zum Jubeln gebe. "Wir müssen der Bevölkerung vor Augen führen, dass in den letzten Jahren der Bestand der Braunkehlchen in unserer Region um 90 Prozent zurückgegangen ist." Dank der Ökostation habe sich bei den Bürgern das Bewusstsein für den Schutz der Natur verstärkt.

 

Dr. Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, sagte, es gehe um mehr als um das Braunkehlchen, es gehe um die Vielfalt der Landschaft. "Wenn wir in der Wirtschaft 90 Prozent Rückgang hätten, wäre das eine Katastrophe." Nach den Grußworten standen Fachvorträge an. Den Auftakt machte Jürgen Feulner von der LBV-Kreisgruppe Hof. Er stellte die Erkenntnisse aus einer Kartierung vor. Der Landkreis Hof weise eine große Anzahl landwirtschaftlicher Nutzflächen auf, leider seien dennoch viele der früheren Braunkehlchenreviere verwaist. Aufforstung, Grünlandumbruch und Vorverlegung der Mahd nannte er als einige Ursachen. Aber auch die früher wesentlich breiteren Gewässerstreifen waren bevorzugte Bruthabitate der Vögel. Wie der Referent ausführte, befinden sich die Tiere nur ein Drittel des Jahres in Oberfranken, etwa acht Monate verbringen sie in Afrika. Beim Rückflug tappen sie in Süditalien oft in die Falle illegaler Vogelfänger, auch dies könnte ein Grund für die Reduzierung der Wiesenbrüter sein. Ob der Klimawandel für die Vögel, die sich jetzt etwas länger in Deutschland aufhalten, ein Vor- oder Nachteil sei, sei noch nicht beantwortet. Bestandsentwicklungen in Lebensräumen der Braunkehlchen in anderen Gegenden, aber auch Schutzerfolge kamen in weiteren Vorträgen zur Sprache.

 

"Allen Teilnehmern des Symposiums war klar, es ist Zeit zum Handeln", fasste LBV-Kreisvorsitzender Klaus Wolfrum zusammen. Er gründete in der Ökostation mit Gleichgesinnten einen Arbeitskreis, um möglichst bald die vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen zu realisieren.

 

Quelle: Frankenpost.de

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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