Das Rebhuhn hatte nach Angaben von Sebastian Wolfrum ursprünglich eine Verbreitung über ganz Mitteleuropa. In den Jahren 1930 – 1990 ging der Bestand um über 80% zurück. Zurückgeführt wird diese drastische Verkleinerung vor allem auf Eingriffe des Menschen in die Natur, wie Jagd, Störung und die Veränderungen in der Landwirtschaft, die zu den wichtigste Faktoren zählen – dem Rebhuhn fehlt ganz einfach der Schutz vor Witterung und Fressfeinden sowie das Nahungsangebot.  Aber es gibt auch natürliche Ursachen, wie nasskalte Winter, viele Niederschläge im Frühjahr, Dauerregen und natürliche Feinde wie Füchse, Dachse, Marder und Greifvögel.

Die Ökostation Helmbrechts will dem Rebhuhn einen geeigneten Lebensraum schaffen, in dem sie ihm Brachen, Hecken, Brutstreifen, Nahrungsbiotope und einen Schutz vor Fressfeinden anbietet. Außerdem versucht sie sich in der Wiederansiedlung durch Auswilderung und klärt die Öffentlichkeit über die Bedürfnisse des einmal so zahlreichen und jetzt selten gewordenen Hühnervogels auf. Konkret betreut die Ökostation zwei Gebiete:  Einmal ein 25 Hektar großes Gelände im Sachsenvorwerk und noch einmal 20 Hektar an der Ökostation selber. Revierjäger im ganzen Landkreis unterstützen das Projekt mit Einzelmaßnahmen.

Regelmäßig erfassen die Mitarbeiter die Bestände, führen Beringungen durch, Forschen über die Bekämpfung von Prädatoren und pflegen die zum Schutz angelegten Hecken und bringen artenreiche Saatmischungen als Nahrungsquelle aus. Außerdem unterstützte die Ökostation eine Facharbeit im Gymnasium Münchberg zu diesem Thema. Die Auswilderungen wurden wissenschaftlich begleitet und die Erfahrungen international ausgetauscht.

Eine besondere Aktion stellte 2009 die „Tannenbaumaktion“ dar. Die Ökostation bekam die Weihnachtsbäume von der gesamten Stadt zur Verfügung gestellt. Helfer kappten die Spitzen und stellten die Stümpfe umgekehrt auf Feldrändern auf, damit die Rebhühner dort Schutz finden konnten.

Um die Hecken für die Rebhühner attraktiv und sicher zu machen, wurden bei der Heckenpflege die Hölzer nur angesägt und umgeknickt, um dichteres Buschwerk zu erhalten. Sinnvoll sei es nach Worten von Sebastian Wolfrum auch, Stoppelbrachen anzulegen, den Zwischenfruchtanbau in der Landwirtschaft zu erweitern, „Lerchenfenster“ anzulegen und mehr Zwischenräume zu schaffen. Gerade der Rüben- und Kartoffelanbau sei fürs Rebhuhn förderlich.

Bei der Planung von Rebhuhnschutzprojekten müssen auch neue Trends in der Landwirtschaft wie die Produktion von Biomasse zur Energiegewinnung und die Erzeugung von Kartoffelstärke für biologische Kunststoffe einbezogen werden. Wünschenswert sei es, wenn diese auf die Bedürfnisse des Rebhuhns ausgerichtet werden.

Als eine Möglichkeit nennt Wolfrum die Pflege von landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen, wie zum Beispiel Straßenrändern. Diese würden mit hohem Kostenaufwand bewusst kurz gehalten, anstatt sie rebhuhnfreundlicher zu gestalten. Auch müsse Jagd auf  Fressfeinde stattfinden, um zu hohe Ausfälle zu vermeiden.

Bei der Auswilderung tauschten sich die Experten der Ökostation mit anderen Projektmitarbeitern in ganz Mitteleuropa, insbesondere der Schweiz und Großbritannien, aus. Mit der Öffentlichkeitsarbeit will die Ökostation die breite Bevölkerung auf das Rebhuhn aufmerksam machen. Probleme bereiten vor allem die geringe Bereitschaft der Landwirte, ihre Felder rebhuhngerecht zu bewirtschaften, der Wegfall der Flächenstilllegung und das Nichtvorhandensein geeigneter Flächen .

Mittels Telemetrierung wird der Aufenthaltsort der Rebhuhnketten regelmäßig überwacht. Im März 2010 wurden bei geschlossener Schneedecke 14 Tschechische Volierenhühner, darunter 8 besenderte, in die Freiheit entlassen.  Sie verschwanden jedoch.

Im September 2010 wurden zwei Ketten ausgewildert, eine entlang des Bahndamms und eine auf einem Feld an der Straße Richtung Ottengrün. Die Anzahl der ausgewilderten Rebhühner betrug in der ersten Kette im Feld 21 Vögel, am 2. November wurden noch 18 Tiere gesichtet.  Entlang des Bahndamms wurde eine Kette mit 15 Tieren ausgesetzt – am 2. November wurden vier Exemplare gesichtet.

Verursacher der Ausfälle war in fast allen Fällen der Fuchs. Für die Zukunft haben sich die Leiter des Projekts vorgenommen, die Kartierungen fortzuführen, den Lebensraum weiterhin für das Rebhuhn zu optimieren, Auswilderung, Telemetrie und Öffentlichkeitsarbeit fortzuführen und den Rebhuhnschutz in die Jägerausbildung zu integrieren. Geplant ist auch ein Arbeitsbuch zum Thema Rebhuhnschutz.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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